Nachbericht zur Veranstaltung Politik mit Kopf: Selbstbestimmtes Sterben – worüber entscheidet der Bundestag?

Wer sollte unter welchen Umständen das Recht auf einen assistierten Suizid haben? Das Thema meiner ersten öffentlichen Podiumsdiskussion der Reihe „Politik mit Kopf“ war keine leichte Kost. Gleichzeitig waren sich meine Gäste auf dem Podium und das Publikum weitestgehend einig darüber, wie wichtig es ist, über den Umgang mit Suizidwünschen zu sprechen und das Thema in unserer Gesellschaft so zu enttabuisieren. Die durch die anstehende Entscheidung des Bundestags über drei vorliegende Gesetzesentwürfe angestoßene gesellschaftliche Debatte sei hierfür wichtig. Und auch die Podiumsdiskussion am Mittwochabend im Goethe-Institut Freiburg konnte einen Beitrag dazu leisten – dank meiner hochkarätigen Gäste und auch dank der zahlreichen persönlichen Geschichten und Perspektiven aus dem Publikum.

Darüber hinaus herrschte auch viel Einigkeit darüber, dass zusätzlich zur Debatte um Suizidassistenz weitere gesellschaftliche Debatten und politische Entscheidungen damit einhergehen müssen: So müssen mit Blick auf die Umsetzung die praktischen Anschlussfragen bei allen drei vorliegenden Gesetzesentwürfen noch geregelt werden. Noch grundsätzlicher müssen wir uns als Politik darum kümmern, dass Menschen nicht durch externe Faktoren in die Situation kommen, ihr eigenes Leben beenden zu wollen. Dafür braucht es eine gute Finanzierung von Pflegestrukturen ebenso wie mehr Mittel für die Suizidprävention, um gerade in Zeiten mit einer eklatanten Zunahme an psychischen Erkrankungen suizidale Menschen nicht alleine zu lassen. Ich war deshalb sehr dankbar, dass auch der Arbeitskreis Leben aus Freiburg anwesend war und seine Arbeit vorstellte.

Mit Blick auf die gesetzliche Ausgestaltung des Rechts auf selbstbestimmtes Sterben kamen die verschiedenen Positionen und Argumente zwischen meinen Gästen und auch zwischen einigen Diskussionsteilnehmer*innen aus dem Publikum stärker zum Vorschein. Gerade die Frage, inwieweit eine psychiatrische Begutachtung bei Menschen mit Sterbewunsch notwendig sei, gingen die Meinungen weit auseinander. So konnte ich inhaltlich zahlreiche Anstöße und Gedanken mit auf den Weg nehmen, um mich in den kommenden Monaten weiter mit den Gesetzesentwürfen zu befassen und meine Entscheidung zu treffen.

Dafür nochmal mein herzliches Dankeschön an das äußerst fachkundige Publikum wie auch an meine Gäste auf dem Podium: an Ursula Bonnekoh von der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben, die sich für mehr Freiheit am Lebensende einsetzt; an Prof. Andreas Lob-Hüdepohl, der Mitglied des Deutschen Ethikrates und dort stellvertretender Sprecher der Arbeitsgruppe „Suizid“ ist; und an Oberkirchenrat Urs Keller, der Vorstandsvorsitzender der Diakonie Baden ist und als ehemaliger Leiter des Diakoniekrankenhauses Freiburg auch praktische Erfahrungen einbringen konnte. Vielen Dank auch an Frau Prof. Gerhild Becker – die Ärztliche Direktorin der Klinik für Palliativmedizin am Universitätsklinikum Freiburg musste leider krankheitsbedingt absagen, hat mir aber im Vorfeld noch einige wertvolle Gedanken mitgegeben für die Debatte.