Rede zum Wahlrecht ab 16 Jahren bei Europawahlen

Sehr geehrte Frau Präsidentin,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

wer die politische Urteilsfähigkeit von jungen Menschen infrage stellt, sollte vielleicht mal mit ihnen reden statt immer nur über sie. Wie in allen Altersgruppen, gibt es auch bei jungen Menschen unterschiedlich ausgeprägte politische Kenntnisse und Weitsicht.

Wer sich von uns regelmäßig mit Schulklassen im Wahlkreis zu politischen Themen austauscht oder sie hier im Bundestag zur Diskussion begrüßt, der muss doch zugeben: Ganz viele junge Menschen sind bestens informiert und drängen darauf, mitzubestimmen. Wie oft erwähnt, geht es dabei viel um Klimaschutz. Schließlich betrifft diese gewaltige Menschheitsaufgabe das Leben der jungen Generationen ganz unmittelbar. Aber es geht ihnen auch um viele andere Themen, von der Digitalisierung, über Migration, Bildung, soziale Sicherheit, bis hin zur Außenpolitik.

Die Politik und wir als Gesellschaft brauchen die Perspektiven junger Menschen bei diesen wichtigen Themen dringend! Es sind gleichzeitig Themen, bei denen wir Europa brauchen. Europäische Antworten auf europäische und internationale Herausforderungen – darum geht es bei Europawahlen. Deswegen arbeiten wir auf die Einführung transnationaler Listen hin. Und europäische Antworten im politischen Bewusstsein junger Menschen zu verankern, dazu wird das Europawahlrecht ab 16 beitragen. Sodass nicht nur diejenigen sich mit der EU beschäftigen, die ohnehin eine große Affinität, ein Erasmussemester im Lebenslauf eingeplant und ihr Interrailticket gekauft haben – sondern alle 16- und 17-Jährigen beziehen wir in die Gestaltung der europäischen Demokratie ein.

So stärken wir den europäischen Blick auf die politischen Herausforderungen. So stärken wir das Wahlrecht und Europa, liebe Kolleginnen und Kollegen – und darüber freue ich mich persönlich sehr. Vielen Dank.