Grußwort beim Internationalen Tag der Sinti*zze & Rom*nja

Sehr geehrter Herr Ahmed und Herr Hartmann, sehr geehrter Herr Prof. Matter, sehr geehrter Herr von Kirchbach, liebe Daniela und liebe Nadyne,

vielen Dank Ihnen für die Einladung und die Möglichkeit, hier sprechen zu dürfen!

Sint*izze und Roma*nja sind seit vielen Jahrhunderten den Vorurteilen weiter Teile der Mehrheitsgesellschaft ausgesetzt. Hinzu kommen gerade in den vergangenen Jahren auch wieder vermehrt Anfeindungen aus der rechtsextremen Szene. Insgesamt erleben Betroffene Vorurteile und Anfeindungen in allen Lebensbereichen. Für Nicht-Betroffene – wie auch für mich – ist das kaum nachzuempfinden.

Durch aufmerksames Zuhören können Nicht-Betroffene vielleicht zumindest entfernt erahnen, wie sich das anfühlen muss – beispielsweise mit einem nicht selbstgewählten Begriff bezeichnet zu werden. Durch aufmerksames Zuhören erinnern sich Nicht-Betroffene dann vielleicht an einen beleidigenden Spitznamen, den sie ungewollt in der Schule bekommen haben. Und vielleicht können wir Nicht-Betroffenen dann zumindest versuchen, uns vorzustellen, wie sich das anfühlen muss: Wie es sich anfühlen muss, eben nicht nur von Einzelpersonen hin und wieder mit ungewollten Spitznamen belegt zu werden, sondern von weiten Teilen der Gesellschaft systematisch in der Sprache und in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens ignoriert, ausgeschlossen, übergangen und erniedrigt zu werden.

Deshalb ist aufmerksames Zuhören als erster Schritt so wichtig. Das gilt selbstverständlich im Kleinen, im Privaten. Dort müssen wir alle zuhören – wir müssen hinhören und aufmerksam sein, wenn uns Betroffene von Antiziganismus von ihren Erfahrungen berichten. Und wir müssen uns in einem zweiten Schritt dann für die Belange der betroffenen Sint*izze und Roma*nja einsetzen.

Aber das gleiche gilt auch im Großen, auf institutioneller Ebene. Deshalb bin ich froh, dass wir in der Ampel eine langjährige Grüne Forderung verwirklichen konnten und mit Mehmet Daimagüler erstmals ein Antiziganismus-Beauftragter der Bundesregierung ernannt wurde. Herr Daimagüler wird zuhören. Und er wird sich klar und deutlich für die Rechte der Opfer von Antiziganismus einsetzen und auch darüber hinaus für deren Belange streiten.

Damit haben wir in der Ampel und insbesondere unsere Familienministerin Anne Spiegel ein klares Signal gesetzt gegen die Ausgrenzung, Anfeindung und Diskriminierung von Sint*izze und Roma*nja. Gemeinsam kann so die im Februar beschlossene nationale Strategie „Antiziganismus bekämpfen, Teilhabe sichern!“ angegangen werden, mit der Integration und Teilhabe von Sint*izze und Roma*nja in Deutschland gefördert und Antiziganismus bekämpft werden soll.

Auch mit Blick auf die Flüchtenden und Geflüchteten aus der Ukraine trägt Deutschland eine besondere Verantwortung, einer Ungleichbehandlung von Angehörige der Minderheit der Rom*nja an den europäischen Außengrenzen und in den Mitgliedsstaaten entgegenzuwirken, nicht zuletzt da sich unter den Schutzsuchenden auch Holocaust-Überlebende und ihre Nachfahren befinden. Die Selbstorganisationen der Sinti*zze und Rom*nja leisten großartige Arbeit, mit Beratungen und Übersetzungen für die Neuankommenden. Vielen Dank dafür!

Zuhören und Wahrnehmen, diesen Zweck hatte auch der gestrige Welttag der Roma und darum geht es bei der heutigen Veranstaltung: Zuhören und Wahrnehmen, wie sich das Leben der Roma*nja in Deutschland heute darstellt und über weitere Integrations- und Teilhabemöglichkeiten zu sprechen.

Vielen Dank für die Einladung, ich freue mich auf den Austausch und auf den Vortrag von Herr Prof. Matter.