„Today you saw the best of us“ – so eine australische Kollegin nach der Würdigung für die Abgeordnete Helen Haines, die mit einem Auto attackiert wurde und beide Beine verlor. Bis hin zum Saaldiener, der einer Rednerin Taschentücher auf den Tisch stellte: So viel Menschlichkeit erlebt man im Parlament selten. Auf unserer Reise mit der Boschstiftung nach Canberra und Sydney beschäftigte uns daher die Debatte um die verrohte politische Kultur, die uns ja auch nicht fern ist.
Überhaupt waren die Themen fast identisch, die wir deutsche und australische Abgeordneten als besonders drängend und verunsichernd sehen: Ganz vorne die Veränderungen durch KI und die Frage, wie man zu einem globalen Regelwerk kommt. Wichtig dafür: Wir Mittelmächte dürfen technologisch nicht den Anschluss verlieren. Europa, Australien, Kanada: Wir haben eigentlich führende KI-Expert:innen, warum arbeiten wir nicht entschlossener zusammen?
KI sägt weiter am sozialen Aufstiegsversprechen, was populistische Parteien begünstigt – auch in Australien.
So ähnlich uns Australien gesellschaftlich ist, geografisch und ökonomisch ist es in Asien verflochten. Die sicherheitspolitische Lage im Indopazifik ist angespannt. China hat seine Marine massiv modernisiert, eine Invasion Taiwans würde die Ordnung in der Region und weit darüber hinaus erschüttern. Australien könnte im Krisenfall eine Seeblockade drohen, weshalb Experten für eine souveräne Energieversorgung und mehr eigene Verteidigungsfähigkeiten werben. Ähnlich wie bei uns gibt es kaum eine öffentliche Debatte über die Rolle Australiens in einem militärischem Konfliktfall. Man verlässt sich stark auf die Führungsrolle der USA.
Wirtschaftlich arbeitet Australien eng mit Japan und Südkorea, aber auch China zusammen. Für mehr Diversifizierung ist das anstehende Handelsabkommen mit der EU zentral.
Wertvoll war unser Zusammenkommen mit einem Vertreter der Aborigines, der uns auf dem Land seines Volkes und seiner Vorfahren willkommen hieß.
Ich bin sehr dankbar für die intensive Woche in Australien. Die fokussierte fach- und fraktionsübergreifende Arbeitsweise, um die großen Probleme unserer Zeit zu bearbeiten, sollten wir uns beibehalten.












